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Erneute Bühne für Antisemitismus im Buchladen „Neuer Weg“

Am 18. Juni 2026 bietet der linke Buchladen „Neuer Weg“ gemeinsam mit der Gruppe „Free Palestine Würzburg“ erneut einer Person die Bühne, die Israel dämonisiert, islamistische Propagandamotive übernimmt und Terror verherrlicht – diesmal unter dem Deckmantel der Kunst: der Künstlerin Stefanie Reinhart. Bereits 2024 hatte der Buchladen eine Aktivistin aus der sogenannten „Friedensbewegung“ eingeladen, die u.a. öffentlich das antisemitischen Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober 2gfgb023 rechtfertigte.

Antisemitische Bildmotive

Die Werke von Reinhart überschreiten die Grenze politischer Kritik deutlich; sie greifen wiederholt auf klassische antisemitische Bildmotive zurück, darunter die Darstellung Israels als „Kindermörder“. Solche Darstellungen fallen in den Bereich der sogenannten „3-D-Kriterien“ (Dämonisierung, Delegitimierung, Doppelstandards), die in der Antisemitismusforschung als deutliche Indikatoren für Antisemitismus gelten.

Islamistische Bildvorlagen

Auf Social Media verbreitet Reinhart terrorverherrlichende Inhalte. Für ihre Zeichnungen übernimmt sie mehrfach Bildsprache und Motive des Hamas-nahen, islamistischen „Quds Youth Movement“ (QYM). Das QYM bedroht unter anderem der Hamas gegenüber oppositionell eingestellte Palästinenser, als „Verräter“ und „von der zionistischen Entität bezahlte Hunde, die der Sache des Satanismus dienen“. In Beiträgen des QYM werden brennende Davidsterne gezeigt, jüdische Israelis als Kinderschänder und Pädophile dargestellt und Raketen auf israelische Städte gefeiert.

Glorifizierung von Raketeneinschlägen auf Zivilisten durch das islamistische Quds Youth Movement. Die Bezeichnung Israels als „Pedo Epstein Coalition“ knüpft an klassisch judenfeindliche Legenden von Kindesentführungs-, Kinder- und Ritualmord an. Quelle: Instagram @qudsyouthmvt

Glorifizierung von bewaffnetem Terror

In einem weiteren Beitrag verherrlicht Reinhart die Ikonografie bewaffneten palästinensischen Terrors. Das von ihr inszenierte Graffito (Siehe Titelbild) zeigt Leila Khaled, eine mit Kalaschnikow bewaffnete PFLP-Terroristin, die an mehreren Flugzeugentführungen beteiligt war.

Hinzu kommen Social-Media-Inszenierungen mit Symbolen, die in der israelfeindlichen Szene als Codes verwendet werden: Reinhart posiert unter anderem mit einem T-Shirt mit rotem Dreieck – einem Zeichen, das die Hamas zur Markierung feindlicher Ziele nutzt. Fachstellen weisen darauf hin, dass gerade das Kokettieren mit solcher Symbolik als Bezugnahme auf die Rechtfertigung antisemitischer Gewalt funktioniert: erkennbar für das eigene Milieu, zugleich mehrdeutig und abstreitbar.

Hass statt friedlicher Koexistenz

In weiteren von Reinhart verbreiteten Beiträgen wird die völkerrechtlich anerkannte, zum israelischen Kernland gehörige Millionenstadt Tel Aviv als „[zionistisch] besetzt“, während von ihr zugleich Slogans wie „From the River to the Sea“ verbreitet werden, die in ihrer gängigen Verwendung auf die vollständige Verdrängung bzw. Vernichtung Israels als jüdischer Staat zielen. Unterlegt sind die von Reinhart geteilten Inhalte teils mit islamischen Sprechgesang – sogenannten Nasheeds – die in bestimmten islamistischen Kontexten als emotionalisierende Begleitung von Propaganda dienen.

Gemälde und islamistische Bildvorlage: Darstellung der Millionenstadt Tel Aviv als „besetzt“, Schwarze Krähen als apokalyptisches Symbol für drohenden Untergang, Tod und Zerstörung. Quelle Instagram @stefanie.reinhart.kunst, Quelle des Original-Videos ist @qudsyouthmvt

Rhetorische Gleichsetzungen und NS-Analogien

Auf anderen Fotos präsentiert sie mehrfach den Slogan „Never Again is Now!“, der das israelische Vorgehen in die Nähe des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden, der Shoah, rückt. Solche Gleichsetzungen entsprechen nach gängigen Antisemitismusdefinitionen einer Form der Relativierung und Instrumentalisierung der NS-Verbrechen. Dass diese antisemitische Gleichsetzung kein Ausrutscher ist, zeigt ein Beitrag, in dem Reinhart die 2025 verstorbene Holocaustüberlebende Margot Friedländer zur Rechtfertigung ihrer israelfeindlichen Darstellungen vereinnahmt.

Angriff auf die Erinnerung an die Shoah

Diese rhetorische Verschiebung steht exemplarisch für eine Entwicklung, in der die Erinnerung an die Opfer antisemitischer Gewalt nicht mehr gewürdigt, sondern zur Delegitimierung des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung und Souveränität herangezogen wird. Die aus der Shoah erwachsene Mahnung „Nie wieder“ wird gegen jüdische Selbstbestimmung gewendet. Für Überlebende, ihre Familien und die jüdische Gemeinschaft bedeutet dies einen doppelten Angriff: Die historische Erfahrung antisemitischer Gewalt wird relativiert oder geleugnet und zugleich in eine gegenwärtige, antisemitisch aufgeladene Anklage gegen Israel umgewandelt.

Instagram-Account der Künstlerin: Gezielte Vereinnahmung und Umdeutung der aus der Shoah entsprungenen Mahnung „Nie Wieder“.

Antisemitismus unter dem Deckmantel von Humanismus und Kunst

Der Auftritt von Stefanie Reinhart steht für einer Entwicklung, die sich seit dem 7. Oktober 2023 in Deutschland rasant verschärft hat: Antisemitismus wird nicht nur offener artikuliert, sondern zugleich in eine Sprache übersetzt, die ihn moralisch legitimieren soll. Unter Begriffen wie Humanismus, Antikolonialismus, Kunstfreiheit oder Menschenrechte werden antisemitische Erzählungen, Bildmotive und Symbole anschlussfähig gemacht. Die Verharmlosung von antisemitischer Gewalt erscheint so nicht mehr als Grenzüberschreitung, sondern als vermeintliche positives Engagement.

Gerade Teile der „antiimperialistisch“ geprägten Friedensbewegung sind für diesen Antisemitismus empfänglich: Sie knüpfen an eine Tradition des linken Antizionismus an, die bereits in sowjetischer Propaganda Israel als kolonialen, rassistischen und imperialistischen Aggressor dämonisierte. Der Westen, die USA und Israel erscheinen als permanente Täter, während autoritäre, islamistische oder antisemitische Akteure als bloße Reaktion auf „Unterdrückung“ verharmlost werden. Friedensrhetorik dient hier als moralischer Schutzmantel für Antisemitismus: Sie macht antisemitische Gewalt relativierbar, jüdische Selbstbestimmung delegitimierbar und und stellt jüdischen Menschen ihre Erfahrung von Antisemitismus in Abrede.

Links: Von Reinhart geteilte, antisemitische Boykottaufforderung. Der Name des jüdischen Staates wird hierbei in Anführungszeichen gesetzt, um die Unrechtmäßigkeit seiner Existenz zu betonen. Rechts: Instrumentalisierung der verstorbenen Holocaustüberlebenden Margot Friedländer
Links: Reinhart mit umgedrehten rotem Dreieck, Rechts: Einer der von Reinhart geteilten Inhalte des islamistischem „Quds Youth Movement“
Links: Antisemitischer Slogan, Oben: Darstellung Israels als Kindermörder.

Buchladen mit Vorliebe für rechtsextreme Verschwörungstheorien

Der aktuelle Fall steht nicht isoliert. Der Buchladen „Neuer Weg“ bot bereits wiederholt Akteuren eine Plattform, die durch Verschwörungstheorien und einseitige, anti-westliche Schwarz-Weiß-Erzählungen auffielen. In der umfangreichen „Mediathek“ des Buchladens finden sich zahlreiche Videos aus der antisemitischen und rechtspopulistischen Coronaleugner-, UFO- und Verschwörungsszene  und pro-russische Propagandakanäle (u.a. Compact, KenFM, ExoMagazin, NachDenkSeiten, russland.RU, The Grayzone, Die Weltwoche, Wolfgang Wodarg, Matthias Bröckers).

Website des Buchladen „Neuer Weg“: Rechtsextremer, antisemitischer Content und russische Propaganda

Auf der aktuellen Website des Buchladens prangt wie selbstverständlich ein Beitrag, in dem Propagandavideos des iranischen Regimes positiv dargestellt werden. Erst im Januar 2026 massakrierte ebenjenes Regime mutmaßlich Zehntausende friedliche Demonstranten.

Website des Buchladen „Neuer Weg“: Rechtsextremer, antisemitischer Content und russische Propaganda

Der Normalisierung des Antisemitismus entgegentreten!

Während sich die Mehrheitsgesellschaft an solche Vorfälle gewöhnt, erleben viele jüdische Menschen eine andere Realität: Polizeischutz vor Synagogen, Anfeindungen im Alltag, die Angst, jüdische Symbole offen zu tragen, und die ständige Konfrontation mit Hassparolen, die als politische Meinungsäußerung verharmlost werden.

Wer eine offene und demokratische Gesellschaft verteidigen will, darf dieser Entwicklung nicht gleichgültig gegenüberstehen.


Weitere Quellen/Belege:

• https://wuerzburg.deutsch-israelische-gesellschaft.de/tag/buchladen-neuer-weg/
• https://wuerzburg.deutsch-israelische-gesellschaft.de/tag/free-palestine-wuerzburg

Weiterführende Links

• Bundeszentrale für Politische Bildung: Antisemitismus im linken Spektrum
www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/307887/antisemitismus-im-linken-spektrum/
• Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft: Linker Antisemitismus nach 10/7
www.idz-jena.de/wsddet/wsd17-08
• CARS: Opferfantasien. Zur Kritik des Antisemitismus in der Querdenken-Bewegung
www.katho-nrw.de/news/detailansicht/cars-veroeffentlicht-working-paper-009-von-daniel-burghardt
• Amadeu Antonio Stiftung: Antisemitische Allianzen nach dem 7. Oktober
www.amadeu-antonio-stiftung.de/zivilgesellschaftliches-lagebild-antisemitismus-13

Weiterführende Literatur

• Matthias Naumann: Judenhass im Kunstbetrieb
• Institut für neue Soziale Plastik: Über jeden Verdacht erhaben? Antisemitismus in Kunst und Kultur
• Andreas Neumann: Antisemitismus in der politischen Linken
• Adam Kirsch: Siedlerkolonialismus – Ideologie, Gewalt und Gerechtigkeit
• Thomas Haury: Antisemitismus von Links
• Richard Schuberth: Vom Antisemitismus, der keiner sein will
• Jeffry Herf: Drei Gesichter des Antisemitismus – rechts, links und islamistisch
• Samuel Salzborn: Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne
• Léon Poliakov: Vom Antizionismus zum Antisemitismus