Veröffentlicht 18.5.2026
(Zu dem Vorfall gibt es eine nachfolgende Pressemitteilung vom 19.5.2026: Pressemitteilung: Absage der „Students for Palestine“ – Nicht ausreichend!)
Pressemitteilung
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Würzburg kritisiert die Einladung der Gruppierung „Students for Palestine Würzburg“ sowie der Rapperin „Sorah“ zum „kontakt – Kulturfestival 2026“ in Bamberg scharf. Die Veranstaltungen finden laut Festivalprogramm am 23. Mai statt.
Geplant sind ein Workshop mit Beteiligung von „Students for Palestine Würzburg“ sowie ein musikalischer Auftritt der Künstlerin „Sorah“. Aus Sicht der DIG Würzburg handelt es sich dabei um Akteure aus einem israelfeindlichen und antisemitischen Umfeld, in dem Terrorverherrlichung und antisemitische Narrative öffentlich verbreitet werden.
Die DIG Würzburg verweist dabei unter anderem auf dokumentierte Äußerungen und Aktivitäten aus dem Umfeld der Gruppe „Students for Palestine Würzburg“, in denen der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 glorifiziert wurde. Zudem verbreitet die Gruppe Inhalte, die jüdische Bewohner Israels entmenschlichen, das Existenzrecht Israels infrage stellen sowie sexualisierte Gewalt gegen jüdische Opfer des Hamas-Massakers als „Propaganda“ bezeichnen. Auch Bezüge zur BDS-Kampagne („Boycott, Divestment and Sanctions“), die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als extremismusnah und dem Gedanken der Völkerverständigung entgegenstehend eingeordnet wird, sind klar erkennbar.
Die Rapperin „Sorah“ trat unter anderem bei der Großkundgebung „United4Gaza“ in Berlin auf, bei der es laut bundesweiter Medienberichten zu massiven antisemitischen und terrorverherrlichenden Vorfällen kam. Der Instagram-Beitrag, mit dem sie ihren Auftritt bewirbt, ist unterlegt mit einem Song, der zum bewaffneten Aufstand und Kampf aufruft und den Hamas-Terror gegen Zivilisten rechtfertigt:
„Bruder, Aufstand, Intifada! […] Lak, was für Hamas, sag mir wie würdest du reagier‘n, wenn man dir mit Gewalt dein Zuhause nimmt, yeah.“– GT, 42, DAYA – Free Palestine
Darüber hinaus war sie Teil des sogenannten „Nakba-Konzerts“ im Rahmen des israelfeindlichen Camps auf der Hamburger Moorweide, das bundesweit wegen wegen extremistischer und antisemitischer Vorfälle in die Kritik geraten ist.
In ihren Songs ruft sie zur Rückeroberung Palästinas auf:
“Scheiß auf Zionisten, […], Palästina wird frei sein, wir nehmen unsere Olivenbäume zurück, lang lebe Palästina.“ – Sorah, Palestine Will Be Free (aus dem Englischen)

In einem weiteren Song stellt sie Muslime als Opfer und Juden als teuflische und geldgierige Profiteure deutscher Schuld dar, eine klassisch antisemitische Darstellung:
“Dass heute Muslime die Schuld für die deutsche Nazi-Geschichte auf sich nehmen, ist verrückt; ihre plötzliche Zuneigung [der Deutschen] für Juden ist ein Mysterium – Die Gier nach Profit und Hass ergibt die gleiche alte Heuchelei! […] Man hat Luzifer eifersüchtig gemacht […] Aufruhr! Solange nicht für Gerechtigkeit gesorgt ist, gibt es keinen Frieden!“ – Sorah, Outrage (aus dem Englischen)
Die DIG hat deshalb Schreiben an die den Veranstalter, die Universität Bamberg, die Stadt Bamberg sowie die zahlreichen Sponsoren des Festivals versandt. Darin fordert die DIG, sich klar gegen Antisemitismus und Terrorverherrlichung zu positionieren und auf eine Absage der entsprechenden Programmpunkte hinzuwirken.
Zudem wurden die Veranstaltungen an die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern) sowie als Verdachtsfall auslandsbezogenen Extremismus an die Kriminalpolizei Bamberg gemeldet.
„Es ist nicht hinnehmbar, dass antisemitische und terrorverherrlichende Akteure auf einem öffentlich beworbenen Kulturfestival eine Bühne erhalten – insbesondere dann nicht, wenn das Festival gleichzeitig mit Weltoffenheit, Vielfalt und Antidiskriminierung wirbt“, erklärt Jonas Weibel, Vorstand der DIG Würzburg.
Die DIG Würzburg betont, dass Kritik an israelischer Politik selbstverständlich legitim ist. Wo jedoch Terror gegen jüdische Menschen relativiert oder verherrlicht wird und antisemitische Ideologien verbreitet werden, ist eine klare gesellschaftliche Grenze überschritten.

Quellen und Dokumentation:
Veröffentlichungen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Würzburg
https://wuerzburg.deutsch-israelische-gesellschaft.de/tag/students-for-palestine/
Jahresberichte RIAS Bayern
https://report-antisemitism.de/annuals
Lagebild Antisemitismus #13 der Amadeu-Antonio-Stiftung
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/zivilgesellschaftliches-lagebild-antisemitismus-13/
Publikationen des Bundesamt für Verfassungsschutz – Säkularer propalästinensischer Extremismus
https://verfassungsschutz.de/DE/themen/auslandsbezogener-extremismus/auslandsbezogener-extremismus_node.html
Handreichung zur BDS-Kampagne des Internationales Institut für Bildung, Sozial- und Antisemitismusforschung
https://iibsa.org/antisemitische-boykottkampagne-bds-handreichung/
Disclaimer: Wir gehen davon aus, dass vielen engagierten Unterstützer*innen des Festivals die Beteiligung der betreffenden Akteure nicht bekannt war. Unser Ziel ist Aufklärung und öffentliche Aufmerksamkeit – nicht die Anprangerung einzelner Sponsor*innen.
Nachtrag zur Chronologie des Vorgehens der DIG (ergänzt am 22.05.):
Das „Kontakt – Kulturfestival“ wurde im Lauf des Sonntags (17.05.) von zahlreichen Personen über soziale Medien auf Kritik an den israelfeindlichen und antisemitischen Akteuren im Festivalprogramm hingewiesen. Um 13:19 Uhr machte auch die DIG Würzburg den Veranstalter auf den antisemitischen und terrorverherrlichenden Charakter der Gruppe „Students for Palestine“ aufmerksam und verwies auf den Veranstaltungskodex gegen Hassrede, Antisemitismus und Rassismus. Der Hinweis geschah über eine Instagram-Story-Markierung und über eine entsprechende Direktnachricht an den Account des Festivals.
Der DIG ist zudem bekannt, dass am Sonntagabend kurzfristig ein Plenum auf Veranstalterseite einberufen wurde, um sich zu den Vorwürfen zu positionieren. In einer um 20:26 Uhr an die DIG übermittelten Direktnachricht machte der Veranstalter dann deutlich, an den umstrittenen Programmpunkten festzuhalten: Er verwies auf den hohen eigenen Anspruch an programmatische Vielfalt und betonte, dass keiner der Akteure namentlich in Berichten des Verfassungsschutzes aufgeführt sei. Das gleiche Statement wurde ebenfalls am Sonntagabend auf dem Instagram-Account des Veranstalters veröffentlicht, ergänzt um die Behauptung, dass „viele der Vorwürfe (…) Falschinformationen enthielten“.
Erst nach dieser klaren öffentlichen Positionierung des Veranstalters wandte sich die DIG am Montagmorgen (18.05.) an Presse, Behörden und Sponsoren.